Einzelfälle
Walid Mohsin Aziz
„Mir geht es sehr schlecht. Ich weiß nicht, was ich tun soll (…). Es gibt kein Asylheim, keine medizinische Hilfe, keine Stelle, wohin ich mich wenden kann. Ich leide sehr an dieser Situation, weiß nicht, was ich tun soll und wie mein Leben enden wird. Ich kann aber nicht in mein Land zurückgehen, dort werde ich sterben“
Familie Beraki
Ziyad Elia Rifaat
Marwan Khedir Lyas
Felleke Bahiru Kum
Im Oktober 2006 konnten Pro Asyl und der Bayerische Flüchtlingsrat anhand von Dokumenten des äthiopischen Außenministeriums nachweisen, dass Exiloppositionelle, die Äthiopien im Ausland in Verruf gebracht haben, zurückgeholt werden sollen, um sie wegen "ethnischen Säuberungen und Unterschlagung von Staats- und Volksbesitz" vor Gericht zu stellen. "Im Klartext: Exil-Oppositionelle heimholen und aburteilen", kommentierte die Süddeutsche Zeitung. Felleke fand sich auf einer Namensliste der äthiopischen Botschaft an das deutsche Auswärtige Amt mit der Zusicherung, ein Laisser-Passer auszustellen.
Die Ausländerbehörde in Donauwörth nutzte dieses Laisser-Passer für die Abschiebung von Felleke. Zwei Abschiebeversuche konnte er selbst verhindern, in dem er sich weigerte, ins Flugzeug einzusteigen, lauthals schrie und versuchte, sich den Beamten zu entwinden. Die Piloten beider Flüge weigerten sich, Felleke mitzunehmen.
Am 21. November 2006, kurz vor dem dritten Abschiebeversuch, sah sich die zuständige Ausländerbehörde in Donauwörth gezwungen, die Abschiebeversuche zu beenden und Felleke aus der Abschiebehaft zu entlassen. Fellekes Anwalt hatte auf der Grundlage der äthiopischen Dokumente einen Asylfolgeantrag gestellt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat noch keine Entscheidung getroffen, wir rechnen uns aber gute Chancen aus, dass der Antrag positiv beschieden wird.
Familie Ora
Dank des großen Einsatzes der UnterstützerInnen vor Ort ist es gelungen, die Abschiebung zu stoppen, die Familienmitglieder, die sich bereits am Frankfurter Flughafen befunden haben, wurden wieder nach Straubing zurückgebracht. Am 5.12.07 wurde die Petition für ein Bleiberecht im Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags erörtert. Die Mehrheit der Ausschussmitglieder votierte dafür, den Fall an die Härtefallkommission weiterzuleiten. Die entschied am 23.1.08, dass Familie Ora ein Bleiberecht bekommt.
Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern, nur mit Ihnen gemeinsam ist es gelungen, die Abschiebung zu stoppen und Familie Ora endlich ein Bleiberecht und eine Zukunftsperspektive zu verschaffen!
Familie Marevci
Der damalige Aufruf
Herr Marevci ist seit Oktober 1998 in Deutschland. Von 1999 bis 2003 hatte er eine Aufenthaltserlaubnis. Dieser Aufenthaltsstatus wurde vom Bundesamt wieder zurückgenommen, seitdem hat er nur eine Duldung. Er arbeitet als Estrichleger. Sein Arbeitgeber möchte ihn unbedingt behalten, da er ein fleißiger und zuverlässiger Mitarbeiter ist. 2004 kam Frau Marevci nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Die Tochter Femije wurde im August 2004 geboren. Seit 2005 ist Frau Marevci bei REFUGIO München in psychotherapeutischer Behandlung wegen ihrer psychischen Belastung.
Wegen der Schwere der Erkrankung ist sie gleichzeitig in psychiatrischer Behandlung. Durch die wiederholten Abschiebeandrohungen erlitt Frau Marevci immer wieder Zusammenbrüche und musste in stationäre Behandlung.
Inzwischen ist auch die Tochter durch die belastende Situation in Mitleidenschaft gezogen und zeigt Symptome einer Verhaltensstörung. Frau Marevci braucht aufgrund ihrer schweren psychischen Erkrankung einen sicheren Aufenthalt, damit die Behandlung wirksam wird. Herr Marevci lebt seit 1998 in Deutschland, hat einen Arbeitsplatz und verdient den Unterhalt für seine Familie. Das Kind braucht eine stabile Mutter, damit es eine gesunde Entwicklung nehmen kann.
Wir fordern ein Bleiberecht für Familie Marevci!
Debru Zewdie Ejeta
In der Folge engagierte er sich immer stärker und wurde zu einem der SprecherInnen der Flüchtlinge. Die Folge: Kriminalisierungsversuche, versuchte Abschiebungen, und Repression durch die Ausländerbehörde.
Dennoch ließ er nicht locker. Im Herbst 2006 brachte Debru Zewdie Ejeta mit Hilfe des Bayerischen Flüchtlingsrats Dokumente der Äthiopischen Regierung ans Tageslicht, mit denen die Repression gegen äthiopische Exiloppositionelle nachweisbar wurde.
Debru bekam als Exiloppositioneller eine Aufenthaltserlaubnis wegen drohender Folter in Äthiopien und kann nach 10,5 Jahren Angst vor der Abschiebung endlich wieder durchatmen.
Alle Informationen zu den Abschiebungen von Exiloppositionellen nach Äthiopien
Burhan Karim Zangana
Nicht eingereist: das war sein Schicksal. Nach 7 Monaten in Deutschland wurde Burhan Karim Zangana formal an der Grenze zurückgewiesen und über Syrien in den Irak abgeschoben.
Familie Avdija
Erneut entschloss sich die Familie zur Flucht, wurde jedoch auf ihrem Weg zu Verwandten nach Schweden im März 2005 in Stuttgart aufgegriffen und in die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf gebracht. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte die Durchführung eines Asylverfahrens ab, da nach der Dublin II-Verordnung Slowenien dafür zuständig sei.
Am 09.06.2005 wurde Aziz Avdija in Abschiebehaft genommen. Eljheme Avdija, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, unternahm einen Suizidversuch und wurde zur stationären Behandlung in das Bezirkskrankenhaus Erlangen eingeliefert. Lumturije, Florim, Idriz und Zehnepe wurden in einem Kinderheim untergebracht.
Die Abschiebung der gesamten Familie erfolgte am 01.07.2005. Zwar weigerte sich der Pilot der Linienmaschine, mit der die Abschiebung zunächst geplant war, die Familie mitzunehmen. Doch eiligst wurde eigens ein Flugzeug gechartert und die Familie in Begleitung von Bundespolizei und einem Arzt nach Ljubliana abgeschoben.
Der Asylantrag der Avdijas in Slowenien wurde inzwischen abgelehnt, sie warten derzeit auf den Ausgang ihrer Verfassungsbeschwerde beim slowenischen Verfassungsgericht.

![FOTO: Die Abschiebung ist vorerst gestoppt - nun können Ebtesam [v.l.], Bahnan, Sharbel und Sandra Ora die Taschen wieder auspacken. Foto: dpa](system/html/07-10-25_PNP_Familie Ora-1645c2b5.jpg)


