Flüchtlingslager Grassau

alte Pension am Ortsrand

Lagerkarte

Grassau ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Es hat 6400 EinwohnerInnen. Die Kapazität des Flüchtlingslagers beträgt 120 Personen.
Das Flüchtlingslager ist eine ehemalige Pension. Derzeit sind dort 72 Personen gemeldet, darunter 13 Familien.

Im Rahmen unserer LagerInventour2009 haben wir das Flüchtlingslager besucht. Einen ausführlichen Bericht dazu finden sie hier.

 

 

 

Besuch in Grassau am Donnerstag, 22. Oktober 2009

Am Donnerstag, den 22. Oktober 2009 haben zwei MitarbeiterInnen des Bayerischen Flüchtlingsrats auf Einladung eines Bewohners das Flüchtlingslager in Grassau besucht. Dabei mussten wir feststellen, dass wir bei unserem letzten Besuch im April 2009, der im Rahmen unserer LagerInventour 2009 statt fand, von der Heimleitung sowie der Regierung von Oberbayern ziemlich verarscht worden sind. Das Lager ist – entgegen den Schönwetterreden auf der LagerInventour-Begehung - in einem katastrophalen Zustand und die BewohnerInnen werden fortwährend von der Heimleitung drangsaliert.

Baulicher Zustand des Flüchtlingslagers


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Das Flüchtlingslager besteht seit 1986 und war ehemals ein Gasthof. Heute bedürfte das Gebäude einer Grundsanierung. Die komplette Grundsubstanz ist durchnässt. In etlichen Zimmern haben uns BewohnerInnen Schimmelflecken an Wänden und Böden gezeigt. Das Wasserrohrsystem ist so veraltet, dass viele Waschbecken, die sich in den Zimmern befinden, verstopft sind und Lecke haben. Das hat zur Folge, dass der Bodenbereich unter vielen Waschbecken bereits schimmelt ist. Darüber verlegtes Laminat soll diese Schäden überdecken. Was allerdings nicht überdeckt werden kann sind die Wasserflecken an den Decken der darunter liegenden Zimmern, die sich nach unten durch die Wand fressen. Zudem wellt sich das alte Laminat auf dem Boden. Der Schimmelbefall führt in einigen Zimmern zu extremem Gestank, den die BewohnerInnen vergeblich mit Parfüm zu überdecken versuchen.

 

Regelmäßige Schikanen der Heimleitung

Die BewohnerInnen erzählen uns, dass die Heimleitung ihre Bürozeiten nicht wahrnimmt. Ist sie dennoch einmal im Lager, ist sie unfreundlich zu den BewohnerInnen, besonders zu denen, die schlechte oder gar keine Deutschkenntnisse haben. Dabei macht sie auch nicht vor Kindern Halt, die sie regelmäßig anschreit. Neu zugezogene Personen erhalten von ihr kein Geschirr und ungewaschene Bettwäsche. Eine Familie hat zum Kochen lediglich eine alte Pfanne ohne Stiel bekommen.

Kein Platz, dafür Vorzeigezimmer
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Eine 4-köpfige Familie, die wir besucht haben, hat nur einen Raum zur Verfügung. Dafür gibt es in dem Lager einen Gemeinschaftsraum, der mit Hilfe eines Sicherheitsschlosses jedoch dauerhaft abgesperrt ist. Was jedoch die Grenzen jeder Dreistigkeit übersteigt: Ein Vorzeigezimmer (so wird es von den BewohnerInnen genannt), dass lediglich für öffentliche Begehungen oder Pressebesuche geöffnet wird (beispielsweise vom Gesundheitsamt) und das perfekt saniert und renoviert wurde. Die BewohnerInnen sind empört, dass dieser Raum ungenutzt bleibt, um der Öffentlichkeit ein falsches Bild von der Unterkunft  zu suggerieren, während sie auf engstem, verschimmeltem Raum zusammenleben müssen.

 

 

 

Fehlende Hygiene- und Putzmittel

Den BewohnerInnen fehlt es zudem an ausreichend Hygiene- und Putzmittel. Hygienemittel werden nur alle 3 Monate ausgegeben und sind bei weitem nicht ausreichend. Die Pakete enthalten lediglich ein Stück Seife, zwei Packungen Shampoo und Zahnpasta sowie Taschentücher. Putzmittel haben sie gar nicht zur Verfügung. Sie erhalten lediglich den nett gemeinten Tipp der Heimleitung, doch ihre alte Kleidung zum Putzen zu verwenden. Was mit den restlichen, ihnen eigentlich zustehenden Hygienemitteln geschieht, ist den BewohnerInnen schleierhaft, enthalten doch die angelieferten Hygienepakete weitaus mehr Produkte als an die BewohnerInnen verteilt werden.


Situation der Kinder im Flüchtlingslager

Im Garten hinter dem Lager befindet sich ein sog. Spielplatz, den die Kinder jedoch nur teilweise benutzen können. Der Großteil der Spielgeräte ist kaputt und weist gefährlich scharfkantige und verrostete (Bruch-) Stellen auf, ja ganze Latten eines Holzpodests sind lose und stellen eine ernste Unfallquelle dar.


Die BewohnerInnen fordern ganz konkret, dass sie keinen Luxus haben wollen, sondern lediglich das, was ihnen rechtlich zusteht: eine menschenwürdige Unterbringung und einen respektablen Umgang. Bisher ist diese Forderung jedoch auf taube Ohren gestoßen.