18.04.2009
Tag 2: Niederbayern - Das Flüchtlingslager in Pfarrkirchen
Ein marodes Haus im Stadtzentrum

Adrenalin pur!
Auf dem Weg Richtung Landshut hat uns die schnelle Reaktion unserer Fahrerin Agnes Andrae das Leben gerettet. Mitten im Wald, auf einer Landstraße kommt uns auf unserer Spur eine Geisterfahrerin entgegen. Nur durch das reaktionsschnelle Bremsen kommen beide Fahrzeuge zwei Meter voneinander getrennt zum Stehen. Die Fahrerin lacht uns an und wir haben einen Schock - das wäre beinahe das Ende unserer Tour gewesen - Glück gehabt (und gute Fahrerin!)

Besuch des Flüchtlingslagers in Pfarrkirchen
Heute besuchte die LagerInventour des Bayerischen Flüchtlingsrates im Rahmen ihres Aktionstages in Niederbayern Pfarrkirchen. Ziel unseres Besuchs war das örtliche Flüchtlingslager. Eine fünfköpfige Delegation erkundigte sich über die Lebenssituation der Flüchtlinge vor Ort. Wir führten Gespräche mit dem Caritasberater, der Heimleitung und einer Reihe von BewohnerInnen.
Das Lager in einem ehemaligen Brauerei-Gasthof beherbergt derzeit 60 Personen, ausschließlich alleinstehende Flüchtlinge, keine Familien. Davon etwa zwei Drittel Männer, ein Drittel Frauen. Laut übereinstimmenden Aussagen von Berater, Heimleitung und Flüchtlingen tritt die Bevölkerung den Flüchtlingen offen gegenüber.



Maroder Zustand
Der bauliche Zustand des Lagers ist jedoch als äußerst marode zu bezeichnen. Die sanitären Anlagen sind nicht vollständig funktionstüchtig und für die Anforderungen nicht ausreichend (1 Toilette für die ganze Etage, ein Duschraum mit drei Duschen, davon eine defekt, für alle 43 Männer).
Das Essen reicht nicht
Große Probleme gibt es mit der Nahrungsversorgung. BewohnerInnen, die Essenspakete erhalten (in erster Linie Personen mit einem Arbeitsverbot), sagen, dass sowohl Qualität wie Quantität nicht ausreicht. Von 40 Euro Bargeld im Monat, von dem von der Busfahrkarte bis zum Anwalt alles bezahlt werden muss, kaufen die Menschen zusätzliche Lebensmittel. Einzelne leihen sich Geld bei Freunden, um ausreichend Essen zu erhalten.

Vor unserem Besuch wurde die Unterkunft eilig geputzt, wird uns erzählt. An normalen Tagen sei sie sehr verschmutzt. "Ich habe Angst um meine Gesundheit", berichtet eine Frau, "da viele Menschen sich Bad, Spülbecken und Toiletten teilen." Ein großes Problem ist auch die Enge in den Mehrbettzimmern. Fremde Menschen müssen sich über lange Zeit hinweg mit bis zu vier Personen ein Zimmer teilen. Privatsphäre gibt es nur für wenige.
