20.04.2009

Das potemkinsche Dorf Flüchtlingslager

Im Kampf um die öffentliche  Darstellung der Realitäten der Lagerunterbringung von Flüchtligen in Bayern greift das Bayerische Ministerium für Familie und Soziales (bzw. die ihm unterstellten Regierungsbezirke) sowie die örtliche Lagerleitung auf Methoden zurück, die geradezu grotesk wirken: In nahezu jedem Lager, das der Bayerische Flüchtlingsrat – im Rahmen seiner LagerInventur - besuchte, wurde davor noch schnell geputzt und aufgeräumt, wie uns etliche BewohnerInnen bestätigten. Naja nun gut mag man denken, dass gehört sich schließlich auch so, wenn Besuch angekündigt  wird.

Besonders lächerlich wirkt dies jedoch aufgrund der Tatsache, dass ein Putzlappen kaum in der Lage ist, für jedermann offensichtliche bauliche Mängel – wie z.B. in der Unterkunft in Pfarrkirchen  - zu beseitigen: Sich dann allerdings auch noch hinzustellen und darüber zu schwadronieren, wie schön es doch hier sei, und zu versichern, wie gerne doch hier alle leben würden, ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten und verschlug uns doch so einige Male die Sprache. Auch vielen Flüchtlingen hat es bei unseren Besuchen die Sprache verschlagen, was wohl aber eher mit dem überzähligen, offiziellen Beistand zusammenhing, der bei vielen unserer bisherigen Besuche mit dabei war: Da stehen sie dann die Vertreter der Regierung und schüchtern allein durch ihre Anwesenheit die dort lebenden Menschen so ein, dass sich kaum jemand traut, kritisch über die Situation vor Ort zu berichten. Durchaus verständlich bei Menschen, die seit Jahren in der Angst vor staatlicher Repression, d.h. vor allem vor ihrer Abschiebung leben. Aber auch hier weiß die Regierung Rat: Man möge sich doch bitte zum arrangierten Gespräch mit einer Bewohnerin (so passiert in Grassau) begeben, die dann – oh Wunder – die Unterkunft in höchsten Tönen zu loben wusste. Und selbst vor direkten Drohungen gegenüber den AktivistInnen wurde nicht zurückgeschreckt: So wie beim Besuch des Lagers in Breitenberg, wo - aufgrund eines Artikels, zu den örtlichen Verhältnissen aus Sicht der BewohnerInnen, iin der Pressemappe - mit einer Unterlassungsklage gedroht wurde.

Das Ganze erinnert mich ein wenig an Helmut Schmidts Besuch Güstrow 1981, wo gleich ein Teil der BewohnerInnen ausgewechselt wurde um sie durch Jubelperser zu ersetzen. Was wir bisher erlebten, war natürlich nicht ganz so drastisch, dennoch scheinen die offiziellen Stellen auch hier krampfhaft etwas verbergen zu wollen, was wohl nur einem kleinen Teil der Bevölkerung wirklich bewusst ist: Das nämlich mitten unter uns Tausende von Flüchtlingen in Behausungen leben müssen, die jeglicher Beschreibung spotten. Aber auch das potemkinsche Dorf DDR segnete ja mittlerweile das Zeitliche.

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