20.04.2009
3. Tag: Amberg (Oberpfalz) - Anderer Ort - Gleiche Probleme

Es gibt zwei Unterkünfte in Amberg. Die Unterkunft, die wir besuchen besteht aus drei Häusern, zwei Altbauten und einen so genannten Neubau in Leichtbauweise. Ein Altbau wurde immer schon als Wohnheim genutzt wurde, der andere diente davor als Bordell. Der Neubau wurde errichtet um kurzfristig zusätzliche Unterbringungskapazitäten zu schaffen. Er wird aber seit dem dauerhaft genutzt.
Angekommen werden wir im großen Tross durch die Unterkunft geführt. Es gibt teilweise abgeschlossene Wohneineinheiten und größtenteils Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftstoiletten und Duschen. Auch hier wurde sich auf unseren Besuch vorbereitet. Wir erfahren von Bewohnern, dass auch hier gesteigerte Putzaktivitäten von Seiten der Verwaltung beobachtet wurden. Unsere Führung hat amtliche Züge - wir fühlen uns fast wie eine Delegation der UNO - so bereitwillig werden uns Türen geöffnet und Einblicke in Privatzimmer gewährt. Nach einem. für die örtliche Presse gestellten Gruppenbildes begeben wir uns dann in den Gemeinschaftsraum wo ein Konferenztisch mit Getränken und Gebäck auf uns wartet.
An der Gesprächsrunde nehmen Flüchtlinge, ehrenamtliche Unterstützer, die Sozialberaterin und drei Herren von der Heimverwaltung teil. Die Teilnahme der Verwaltung hat den klaren Nachteil, dass sich die anwesenden Flüchtlinge etwas gehemmt waren, wenn Probleme mit der Unterbringungssituation angesprochen wurden. Zukünftig sollten wir umso mehr darauf achten, dass wir für die Gespräche mit den Flüchtlingen einen Rahmen schaffen sollten, der ihnen die Möglichkeit gibt offen und frei Auskunft zu geben - ohne Angst vor Reaktionen von Seiten der Verwaltung befürchten zu müssen. Hier folgen einige Ergebnisse dieses Gespräches:
Übereinstimmend wird von den BewohnerInnen das Verhältnis zur Stadtbevölkerung als gut bewertet. Ein junger Mann, der seit 19 Jahren in der Unterkunft lebt und seine Kindheit und Jugend hier verbracht hat klagt über die Enge, und die wenigen Möglichkeiten, die einem bleiben etwas aus seinem Leben zu machen: „Ich möchte gerne einen Führerschein machen, eine Ausbildung beginnen und nichts geht!" Ein junger Mann, der mit 16 Jahren in die Unterkunft kam und seit acht Jahren dort lebt klagt: „Ich durfte nicht zur Schule gehen und ich musste mir die Sprache selbst beibringen.
Schlechte Noten für Amberger Behörden
Über den Umgang mit Sozial- und Ausländerbehörden in Amberg erfahren wir wenig Positives. Es habe sich ein wenig verbessert, denn früher gab es im Amberger Ausländeramt sogar eine „Eingangsschleuse". Wer in die Behörde wollte, hinter dem schloss sich eine Tür und man war gefangen und musste warten bis sich dann die eigentliche Eingangstür öffnete. Es war nicht ungewöhnlich längere Zeit in diesem Eingangsbereich eingesperrt zu verbringen. Die MitarbeiterInnen des Ausländeramtes wunderten sich dann warum ihre KlientInnen bereits angespannt den Raum betraten - uns wundert das nicht. Die Schleuse verschwand erst nach langen und hartnäckigen Protesten.
Sozialamt - wenig hilfreich...
Auch die Sozialbehörde zeigt sich wenig kooperativ. Die BewohnerInnen bekommen ja nur Sachleistungen, dass heißt unter anderen auch, die Flüchtlinge bekommen ausschließlich gebrauchte Kleidung und nur alle zwei Jahre neue Schuhe. Winterschuhe erst im Oktober. Eine Familie, deren Kinder im September zur Schule mussten, verfügte über keinerlei geeignete Schuhe. Es wurde angefragt, ob nicht ausnahmsweise die Bezugsscheine für Schuhe früher ausgegeben werden könnten, da sie dringend benötigt würden. Das Amt versteckte sich hinter den Vorschriften - und die Schuhe gab es erst im Oktober. Sozial ist etwas anderes...
Ehrenamtliche
Es gibt einen Kreis von vier bis sieben Ehrenamtlichen, die hier Sprachunterricht und Einzelfallhilfe anbieten. Das Engagement ist etwas zurückgegangen seitdem hier mehr allein stehende junge Männer untergebracht wurden, denn mit den Familien gab es mehr Anknüpfungsmöglichkeiten.
Kein Geld, keine Arbeit, keine Schule
Vielen BewohnerInnen wurde das Taschengeld gestrichen. Familien haben Probleme die benötigten Schulmaterialien zu bezahlen, für SchülerInnen ist die Teilnahme an Aktivitäten wie Klassenfahrten oder Eisessen am Nachmittag einfach nicht möglich. Die meisten leiden unter Arbeitsverboten und unter der Perspektivlosigkeit. VHS Kurse sind unbezahlbar und es gibt keine Angebote für Flüchtlinge.