Missionsärztliches Institut Würzburg, Pressemitteilung, 11.02.2009

„Entsetzt über erneute Abschiebung“

Mit Entsetzen und Fassungslosigkeit haben wir von der erneuten Abschiebung eines irakischen Asylbewerbers durch das Würzburger Verwaltungsgericht nach Griechenland erfahren. Der junge Mann, ein Angehöriger der im Irak verfolgten christlichen Minderheit, wurde am vergangenen Freitag bei der Ausländerbehörde vorgeladen. Dort wurde er schon von der Polizei erwartet und - für ihn völlig überraschend - abgeführt, ohne dass die betreuenden Sozialarbeiter vorher informiert waren. Er hatte keinen Rechtsanwalt, der sich für seine Belange hätte einsetzen können.

„Wir sind tief enttäuscht“, sagt der Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung der Missionsärztlichen Klinik und Vorsitzende des Missionsärztlichen Instituts, Dr. August Stich. Obwohl in den vergangenen Wochen Informationen über die Behandlung von irakischen Asylbewerbern in Griechenland bekannt und mehrfach von unabhängiger Seite bestätigt wurden, hat sich das Verwaltungsgericht Würzburg nicht davon abhalten lassen, erneut eine Abschiebung durchzuführen.

Wir appellieren deshalb dringend erneut an das Gericht, die Abschiebung von irakischen Flüchtlingen aus der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft nach Griechenland zu stoppen. Wir wissen, dass Griechenland nicht in der Lage ist, Asylbewerbern unter den derzeitigen Verhältnissen ausreichenden Schutz und Hilfe zu gewähren. Eine Abschiebung ist deshalb unbarmherzig und unmenschlich!

Dass dennoch Rückführungen von irakischen Asylbewerbern nach Griechenland von unterfränkischen Gerichten angeordnet werden, ist zutiefst empörend. Wir werden auch weiterhin nicht in unserem Bemühen nachlassen, das inhumane Vorgehen der Verwaltungsrichter anzuprangern.

Mitarbeiter der Missionsärztlichen Klinik sind seit 2007 in der medizinischen Betreuung der ca. 450 Bewohner der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber engagiert.

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