Landshuter Zeitung, 18.08.2005

Flüchtlinge drohen mit Boykott des Essens

Mit der Versorgung unzufrieden: "Kein Spielraum möglich"

Landshuter Zeitung: Am Freitag ein Info-Stand vor dem Landshuter Rathaus, eine Woche zuvor die Übergabe von Unterschriften an die Sachgebietsleiterin für Flüchtlingswesen bei der Regierung von Niederbayern - das Komitee aus Flüchtlingen und UnterstützerInnen lässt nichts unversucht, um die Öffentlichkeit auf die ihrer Ansicht nach unzureichende Nahrungsversorgung der Flüchtlinge in den beiden Heimen in der Schönbrunner Straße und der Bauhofstraße aufmerksam zu machen.

Das "Komitee" kritisiert die in Bayern übliche Vergabe von Lebensmittelpaketen. "Diese Art der Versorgung gewährleistet nicht die individuellen Ansprüche von Diabetikern. Muslimas oder die kulturellen Essgewohnheiten", heißt es in dem Schreiben an die Regierung. Bemängelt wird zudem eine Mangelversorgung vor allem bei Kindern, der Bedarf an Vitaminen sei nicht gedeckt.

"Obst und Gemüse oft nicht genießbar"

"Zu allem Überfluss ist das bisschen Obst und Gemüse oft schon bei Erhalt der Pakete nicht mehr genießbar", so Ozlem Bai (25), Sprecherin des Komitees. Deshalb solle die Regierung Bargeld an die Flüchtlinge auszuzahlen, die sich dann selbst mit den von ihnen bevorzugten Lebensmitteln eindecken könnten. Sollte die Regierung diesem Ansinnen nicht folgen, wollen die Flüchtlinge die Annahme der Lebensmittelpakete ab 1, September verweigern.

Alfons Völk, Pressesprecher der Regierung, verweist auf die Gesetzeslage. Nach der seien für die Versorgung Sachleistungen vorgesehen. "Der Regierung ist dabei kein Verhandlungsspielraum möglich." Die erhobenen Vorwürfe will er so auch nicht stehen lassen. "Selbstverständlich berücksichtigen wir religiöse oder kulturelle Hintergründe bei den Paketen."

Jeder Flüchtling habe verschiedenste Wahlmöglichkeiten bei Brotsorten, Salaten, Nudeln, Fleischgerichten, Gemüse, Getränken oder vegetarischen Gerichten. Die gewählten Lebensmittel würden dann in Drei-Tages-Rationen ausgegeben. Völk: "Sollte es tatsächlich einmal Anlass zu Beanstandungen der Qualität geben, kann die Ware selbstverständlich umgetauscht werden. Grundsätzlich geben wir aber gute Ware aus."

Den angedrohten Boykott kann er deshalb nicht nachvollziehen. "Sollten sich die Flüchtlinge dann anderweitig ernähren können, soll uns das recht sein. Wir werden nur dann einschreiten. wenn gesundheitliche Gefahren drohen."

Von Adrian Mühlbauer

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