Donaukurier, 23.09.2005

Flüchtlinge wollen auf Notsituation aufmerksam machen

Donaukurier: "Was soll ich meinen Kindern zum Essen geben, was?", fragte die junge Mutter Elvisa Bakic entsetzt, nachdem ihr die Lagerverwaltung in Neuburg eine Woche lang die Lebensmittelpakete für sie und ihre drei kleinen Kinder vorenthalten hat. Diese Szene schildern die "Neubürger Nachrichten", eine Zeitung, die in einer Auflage von 5000 Stück in dieser Woche kostenlos an Haushalte in Neuburg verteilt wurde, und in der die Bewohner des Asyllagers in der Donauwörther Straße von ihren Lebensumständen erzählen.

Unter dem Motto "Wir Flüchtlinge wollen fair und gerecht behandelt werden" demonstrieren am morgigen Samstag, 24. September, ab 11 Uhr in der Neuburger Innenstadt Flüchtlinge, Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen gegen die ihrer Meinung nach menschenunwürdigen Lebensbedingungen in der Neuburger Gemeinschaftsunterkunft , einem der größten Flüchtlingslager in Bayern.

Die Bosnierin Bakic und fast 100 andere Flüchtlinge haben einen Protestbrief unterzeichnet und mit einem bundesweit einmaligen Hilferuf den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), Amnesty International und Pro Asyl um Unterstützung gebeten und darin angekündigt, dass sie ihre "Rechte als Flüchtlinge zu verteidigen entschlossen sind, sollten unsere bescheidenen Wünsche unberücksichtigt und unerfüllt bleiben".

Kritikpunkte sind vor allem "die qualitativ ungeeignete und quantitativ nicht ausreichende Verpflegung in Form von Essenspaketen", "die ständige Kriminalisierung und das Strafbarmachen von der Seite der Behörde, für alles, was wir tun" sowie die Lebensbedingungen in der alten Lassigny-Kaserne.

Die Mehrheit der Flüchtlinge lebt in vier zweistöckigen Baracken. Jeweils etwa 50 Personen teilen sich pro Etage die 18 Zimmer. Der Schimmel wuchert an den Wänden. Niemand im Lager versteht, weshalb Menschen, die in Deutschland Schutz vor V erfolgung und Krieg suchen, zu einem derart menschenunwürdigen Leben gezwungen werden.

Mit der Demonstration wollen die Flüchtlinge die Bevölkerung, also ihre Neuburger Nachbarn, auf ihre Notsituation aufmerksam machen. Unterstützt werden sie durch den Bayerischen Flüchtlingsrat, die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und die Menschenrechtsorganisation res publica. Die Flüchtlinge haben sich dazu den morgigen Samstag ausgewählt, den europaweiten Aktionstag gegen Flüchtlingslager, zu dem auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie aufgerufen hat.

Die Auftaktkundgebung beginnt um 11 Uhr auf dem Parkplatz neben dem Sammellager für Flüchtlinge in der Donauwörther Straße. Im Anschluss führt die Demonstration durch die Neuburger Innenstadt zum Spitalplatz, wo gegen 13 Uhr die Abschlusskundgebung geplant ist.

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