PrimaSonntag, Erste Würzburger Sonntagszeitung, 19.03.2009

Im Gefängnis haben es die Menschen besser

Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge im Regierungsbezirk Unterfranken erstellen Resolution

Im Gefängnis haben es die Menschen besser

Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge im Regierungsbezirk Unterfranken erstellen Resolution

Würzburg (clap) – Es ist eigentlich kein Leben, das die Asylsuchenden und Geduldeten in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in der Veitshöchheimer Straße führen. Bis zu sechs, unter Umständen völlig fremde Personen, leben in einem Zimmer mit 30 Quadratmetern, ohne Küche, ohne eigenes Bad. Nachts schlagen sich immer wieder Männer mit Flaschen auf dem Flur, während in den dahinter liegenden Räumen Kleinkinder vor Angst nicht schlafen können. Das Bad befindet sich über den Flur, ohne Toilettenpapier, ohne Seife, ohne Handtuch. Zum Essen gibt es Essenpakete. Manche Menschen leben schon seit zehn Jahren in diesen Verhältnissen. Wird der Asylantrag einer Person dann irgendwann doch bewilligt, darf er ausziehen. Seine Familie in vielen Fällen jedoch nicht. Wenn er seine Familie nicht allein in der GU lassen möchte, muss er 190 Euro im Monat für dieses Zimmer zahlen. Das Bayerische Aufnahmegesetz regelt die zwangsweise Unterbringung aller Asylsuchenden und Geduldeten in diesen GUs. In anderen Bundesländern ist die Situation weit weniger krass.

Unsägliche Verhältnisse
Der Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge im Regierungsbezirk Unterfranken hat daher eine Resolution verfasst. In dieser weisen die Unterzeichner nicht nur auf die unsäglichen Verhältnisse in der GU hin, sondern verlagen die Aufhebung der generellen Verpflichtung für Asylbewerber und Geduldete zum Wohnen in einer Gemeinschaftsunterkunft und die Schaffung menschenwürdiger Unterkunftssituationen für diese Menschen. Die Resolution wird an die Landtags- und Bundestagsabgeordneten übergeben, in der Hoffnung, Augen zu öffnen. Die Zeit dafür ist schon lange reif, doch mittlerweile könnten die Bemühungen vielleicht wirklich von Erfolg gekrönt sein.

Gesetzesänderung ist nötig
Denn am 23. April findet im Bayerischen Landtag eine Anhörung bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen in den Gemeinschaftsunterkünften statt. Bis dahin will der Freundeskreis die Landtagsabgeordneten für das Thema sensibilisiert haben. Auch ein Vertreter des Missionsärztlichen Instituts Würzburg wird bei der Anhörung im Landtag sprechen können. Das Missio stellt die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in der Veitshöchheimer Straße sicher und weiß: „Die Unterbringung in der GU macht die Menschen krank.“ Von chronischen Schmerzen, die keine organische Ursache haben, von der Verstärkung depressiver Erkrankungen berichtet Ärztin Dr. Jenny Dörnemann, die im Missio Dienst tut. Ärztliche Gutachten von der Universitätsklinik liegen vor, die besagen: Gerade Kinder leiden unter der Unterbringung, erleben ihre Eltern machtlos, werden verhaltensauffällig, gewalttätig und erleben womöglich sexualisierte Gewalt, begründet in der Wohnsituation. Hinter allem steckt, so Thomas Kipple, Diözesanreferent für den Caritasverband Würzburg, „politische Abschreckungstaktik nach dem Motto ‚Wenn ihr hier bleibt, ergeht es euch so schlecht. Geht lieber wieder nach Hause.’“ „Die Änderung der Rechtssituation in Bayern ist unumgänglich“, meint daher Michael Koch, Anwalt und 1. Vorsitzender des Freundeskreises. Immerhin ist das Thema im Gespräch, am 23. April werden vielleicht die Weichen für eine solche Änderung gestellt. (aus: PrimaSonntag, Erste Würzburger Sonntagszeitung)

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