Neuburger Rundschau, 27.06.2006

In kleinen Schritten aufeinander zu

„Runder Tisch Flüchtlingslager“ mit Vertretern der Stadt - Landrat bietet Gesprächstermin an

Der „Runde Tisch Flüchtlingslager“ nimmt einen neuen Anlauf. Nachdem beim letzten Versuch das Ausbleiben so gut wie aller geladenen offiziellen Vertreter für Empörung sorgte, luden die Veranstalter zum kommenden Mittwoch, 28. Juni, ab 19 Uhr noch einmal ins Gemeindezentrum der Christuskirche ein. Landrat, Ausländerbehörde und die Regierung von Oberbayern sagten wieder ab, bieten jedoch als Zugeständnis einen Ausweichtermin im Landratsamt an.

Beim „Runden Tisch“ treffen sich interessierte Bürger und Bewohner des Flüchtlingslagers, um sich über Probleme in der Gemeinschaftsunterkunft und im Miteinander auszutauschen. Bereits zum zweiten Mal wurden nun Vertreter der Stadt Neuburg, der Ausländerbehörde am Landratsamt und der Regierung von Oberbayern eingeladen. Und das zumindest mit einem kleinen Erfolg.

So sagte zwar Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling wegen Terminüberschneidungen ab. „Aber er hat es wirklich sehr bedauert und auch versprochen, dass stattdessen der zweite Bürgermeister Heinz Enghuber kommt“, berichtet Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat, der den „Runden Tisch“ moderiert. Auch SPD-Fraktionsführer Horst Betscher habe dieses Mal zugesagt. „Das freut mich einfach, dass sich jetzt doch so viele in der Stadt drum kümmern“, sagt Thal. Er glaubt, dass hier der persönliche Kontakt viel bewirkt hatte. Denn erst vor kurzem waren die Äthiopier aus dem Flüchtlingslager mit einer überraschenden Aktion in Erscheinung getreten. Obwohl sie selbst kaum Geld besitzen, beteiligten sie sich an der Städtewette und bekamen den beachtlichen Betrag von 245 Euro zusammen. Laut Gmehling war das bei der gesamten Städtewette die Spende, die ihn am meisten beeindruckt hatte.

„Müssen mit den Leuten reden"

In etwas kleineren Schritten gehen dagegen Ausländerbehörde, Landratsamt und die Regierung von Oberbayern auf den „Runden Tisch“ zu. Eine pauschale Absage gab es jedoch dieses Mal nicht mehr. „Ich muss an diesem Tag auf eine Sitzung des Kuratoriums Auenzentrum. Dieser Termin steht schon seit zwei Monaten fest“, sagte Landrat Dr. Richard Keßler. Er macht dem „Runden Tisch“, auch im Namen der Ausländerbehörde, jedoch einen anderen Vorschlag: „Ich lade sie im Oktober zu einem Gespräch zu uns ins Landratsamt ein!“, sagt er. In dem entsprechenden Schreiben an den Flüchtlingsrat bittet er darum, vorab Fragen, Fälle oder Anregungen aus der Runde mitzuteilen, damit der Termin möglichst konstruktiv und ergebnisorientiert gestaltet werden kann. „Wir müssen mit den Leuten reden, wir wollen das nicht im Streit machen“, sagt Keßler.

An das Angebot des Landratsamtes schloss sich auch die Regierung von Oberbayern an. „Wenn es sich so ergibt, dass da konkrete Themen gemeldet werden, die uns betreffen, dann werden wir an diesem Termin im Oktober auch teilnehmen“, erklärt Regierungssprecher Dr. Thomas Huber. Er bittet um Verständnis für das vorläufige Fernbleiben der Regierungsvertreter. „Wir haben in unserer Zuständigkeit 33 Gemeinschaftsunterkünfte und 26 Übergangswohnheime. Und bei den meisten haben sich im Umfeld Unterstützer-Foren gebildet. Wir können da nicht zu jedem Treffen gehen, wenn nichts Konkretes vorliegt“, erklärt Huber. Er hält den Weg des Landratsamtes für richtig, erst einmal abzufragen, was ganz genau die Anliegen sind.

Zwiespältig steht Alexander Thal vom bayerischen Flüchtlingsrat diesen Reaktionen gegenüber. „Der Landrat hat einen Schritt auf uns zugemacht und ich denke, wir sollten das nutzen und den Termin auch wahrnehmen“, sagt er. Enttäuscht ist er jedoch, dass die Vertreter der Regierung von Oberbayern und von der örtlichen Ausländerbehörde wieder nicht kommen. Wie damit umzugehen ist, wird nun Thema bei der Sitzung am Mittwochabend, 19 Uhr im Gemeindezentrum Christuskirche sein. Teilnehmen können alle Bürger, die Interesse haben.


Ein Schrittweiter

Kommentar


Manchmal zahlt sich Hartnäckigkeit tatsächlich aus. So hat der „Runde Tisch Flüchtlingslager“ mit seiner zweiten Einladung an offizielle Vertreter schon mehr Erfolg. Von Seiten der Stadt gibt es einige Zusagen. Und Landratsamt und die Regierung von Oberbayern haben als Zugeständnis ein Treffen im Herbst vorgeschlagen, das in den Räumen des Landratsamtes stattfinden soll. Natürlich hat das Beharren darauf, einen Austausch nur auf eigenem Terrain stattfinden zu lassen, schon etwas von einem Machtspielchen. Dennoch ist der Landrat hier einen Schritt auf den Flüchtlingsrat zugegangen. Diese Chance sollten die Beteiligten ergreifen und den Termin wahrnehmen. Dazu wird es auch unumgänglich sein, dass der „Runde Tisch“ tatsächlich einige Themen etwas detaillierter benennt und nicht nur in einem Stichpunkt skizziert.

Keiner, der einmal an einem Treffen teilgenommen hat, würde behaupten, dass es nicht um ganz konkrete Probleme der Flüchtlinge im Neuburger Lager geht. Doch dies war bislang aus den Einladungen tatsächlich kaum ersichtlich. Hier muss der Flüchtlingsrat beziehungsweise der „Runde Tisch“ seine Hausaufgaben noch besser machen. Das Anliegen, etwas genauer zu erfahren, wozu man sich wird erklären müssen, ist schließlich durchaus legitim. Ganz abgesehen davon, dass den Offiziellen darin kein Vorwand für eine Absage mehr geliefert wird.

Gönül Keller

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