Donaukurier, 27.01.2006

Mängelliste erstellt

Runder Tisch vertritt die Flüchtlinge

Donaukurier: Ob die direkt Betroffenen auch zu Wort kommen, wenn heute eine hohe Delegation die Neuburger Sammelunterkunft für Asylbewerber besucht? Die Wunsch- oder auch Mängelliste wäre lange, wie bei einem vom Bayerischen Flüchtlingsrat initiierten Treffen im Gemeindezentrum der Christuskirche festgehalten wurde.

Ganz oben auf der Liste der Reizthemen stehen - und dies auch nicht zum ersten Mal - die Essenspakete. Deren Zusammensetzung soll jetzt zwar flexibler gestaltet werden, bemängelt werden aber vor allem Qualität und Geschmack, die sich bei gleich bleibendem Lieferanten wohl nicht ändern werden. Beste Nahrung für die Essens-Vorbehalte war, als vor einigen Wochen abgelaufene Tiefkühlkost in den wenig geliebten Paketen auftauchten. Diese, das bei lediglich geduldeten Ausländern gestrichene Taschengeld und die als zu restriktiv empfundene Handhabung des Ausländergesetzes ließen viele Bewohner der Sammelunterkunft im Vorjahr sogar einen Protestmarsch durchführen. Die Aktionen und ihre Begleitumstände riefen den Flüchtlingsrat ebenso auf den Plan wie jetzt Öffentlichkeit und Politiker. Auch das überregionale Fernsehen wird neben viel Presse heute zur Stelle sein, wenn Vertreter von Stadt und Landkreis nach einem Vorgespräch den Regierungspräsidenten von Oberbayern zum Lager begleiten.

Die aktuellen Wünsche hören sich konkret an. Ihrer will sich vor allem Bettina Häring als Ausländerreferentin des Neuburger Stadtrates annehmen, die womöglich als einzige von den „Neuburger Flüchtlingsgesprächen" bei dem heutigen Treffen dabei sein wird. Ganz oben auf ihrer Dringlichkeitsliste steht eine Änderung bei der Residenzpflicht. Ingolstadt soll mit in den Geltungsbereich des bislang auf den Landkreis beschränkten Aufenthaltsrechtes aufgenommen werden. Zweifelsohne würden damit die Kontrollmöglichkeiten für die Polizei eingeschränkt, die auf dem Ingolstädter Bahnhof häufig fündig wird. Wer dunkle Hautfarbe hat, ist doppelt prädestiniert . Er fällt bei jeder Kontrolle sofort auf.

Verbesserungen in der Heizung, die bislang nur block- und nicht zimmerweise gesteuert werden kann, sollen jetzt sowieso kommen, eine weitere Küche steht mit auf der Wunschliste. Und auch dieses „Politikum" hat sich Bettina Häring notiert. Wer eine Arbeit findet, muss 200 Euro für sein Bett im Lager zahlen. Bei drei Personen im Raum heißt das, dass die Regierung von Oberbayern respektable 600 Euro für ein rund 2 Quadratmeter großes Zimmer kassiert. Ob das im Einklang mit dem örtlichen Mietspiegel liegt?

Erste Erfolge der Proteste oder elegante Vorbereitung des hohen Politikerbesuches: Treppenhäuser und Gemeinschaftsräume wurden jetzt fleißig gestrichen. Dass es nicht alle Bewohner mit der Reinhaltung gleich hielten, auch davon berichtet die Mängelliste.

Manche Lösungen wären ganz einfach: Gäb's in den Essenspaketen Säfte statt Nektargetränke, hätten die Leute das Vierfache zum Trinken fürs gleiche Geld. Das Zuckerwasser, aus dem die Nektare mehrheitlich bestehen, könnten sie denn selbst in den Saft schütten. Das, steht heute auch als Thema auf der Liste der Ausländerreferentin.

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