Fürther Nachrichten, 15.09.2003

Protestmarsch durch die halbe Stadt

Wieder Demonstration während der Aktionstage gegen Ausreisezentrum — Zaun beschädigt

Fürther Nachrichten: FÜRTH (mk/hän) — Erneut haben am Samstag rund 500 Vertreter von Menschenrechtsorganisationen im Rahmen der so genannten Aktionstage gegen das Ausreisezentrum für abgelehnte Asylbewerber demonstriert. Nach einer Auftaktkundgebung an der Freiheit legten sie zu Fuß die sechs Kilometer lange Strecke zum Lager nahe dem Kanalhafen zurück.

Weitgehend blieb es dabei entgegen einiger Befürchtungen friedlich. Eine kleine Gruppe von etwa zehn Autonomen riss allerdings den Zaun des Lagers an einer Stelle aus seiner Verankerung und löste damit den Einsatz der Polizei aus, die während des gesamten Tages mit auffällig vielen Kräften im Stadtgebiet präsent war. Sechs Personen nahm sie während der Demonstration wegen verschiedener Verstöße fest. Aus Protest dagegen entschlossen sich die Organisatoren des Zuges spontan, auch die Route zurück ins Fürther Zentrum entlang der Würzburger Straße geschlossen zu bewältigen. Vorübergehende Verkehrsbehinderungen waren die Folge.

Die Gegner des Ausreisezentrums warfen dem Freistaat als Betreiber noch einmal vor, dort unmenschlichen psychischen Druck auf die Insassen auszuüben. Von Donnerstag bis Sonntag hatten rund 250 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet in einem Zeltlager unter der Fürther Ludwigsbrücke im Rahmen der „Aktionstage“ kampiert.

Risiken missachtet

Unter den Teilnehmern befanden sich auch zahlreiche in Deutschland lebende Flüchtlinge – nach Angaben der Veranstalter 300, die „trotz Risiken“ — sie dürfen normalerweise ihre Aufenthaltsorte nicht verlassen — den in Fürth Untergebrachten ihre Solidarität gezeigt hätten.

Trotz des sichtlich geringen Interesses der Fürther Bevölkerung wertete Markus Schuler, Sprecher der Nürnberger Flüchtlingshilfe-Organisation „Karawane“, die Aktionstage als „vollen Erfolg“. Sie seien ein „wichtiger Schritt auf dem Weg, die Zäune und Mauern des Rassismus einzureißen“.

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