Donaukurier, 29.09.2005
Stadträte wollen ins Asyllager
Nach der Demonstration von 120 Asylsuchenden am vergangenen Samstag hatte Bettina Häring (FDP) bedauert, dass "so wenige Politiker an dem Protest teilgenommen haben". Einige Stadtratskollegen hatten den Zug aus der Distaz beobachtet. Wenn sich die Verhältnisse als wirklich problematisch herausstellen, so Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, "dann müssen wir einen Forderungskatalog gegenüber der Regierung von Oberbayern aufstellen." Die Unterbringung politischer Flüchtlinge und die Abwicklung der Verfahren sind Staatsaufgabe.
Rüdiger Vogt, Allgemeinarzt und CSU-Stadtrat, hat Asylbewerber als Patienten. Nach seiner Einschätzung treten bei ihnen häufiger Beschwerden auf, die von der Sammelunterkunft kommen könnten und die der Rest der Bevölkerung kaum hat. Sein Stadtratskollege Tobias Böcker bezeichnete die Unterbringung als "unzumutbar". Er kenne als Caritas-Kreisvorsitzender die Verhältnisse und habe sie vor Ort selber regelmäßig nachvollzogen. Die Caritas unterhält eine Sozialberatung für die Flüchtlinge und bietet auch regelmäßig Deutschunterricht an. Den Stadträten empfahl der Caritas-Vertreter, beim Ortstermin "unbedingt schmutzfestes Schuhwerk zu tragen".
Das Regierungslager in der früheren Lassignykaserne besteht seit der Nachkriegszeit, als tausende von Heimatvertriebenen in Neuburg Aufnahme fanden. Später folgten politisch Verfolgte und noch mehr Wirtschaftsflüchtlinge aus Asien, Afrika und Osteuropa. Mit zeitweise 500 Menschen aus 40 Nationen zählt Neuburg zu den größten Lagern bundesweit.