Süddeutsche Zeitung, 10.12.2005

Verdorbenes Huhn im Essenspaket

Hunderte Lieferungen an Flüchtlingsheime

Süddeutsche Zeitung: An hunderte Flüchtlinge in München, Ingolstadt und Neuburg ist verdorbenes Fleisch verteilt worden. Es handelt sich um tiefgekühlte Hähnchenbrust, die in Essenspaketen enthalten war. Das Mindesthaltbarkeitsdatum war bereits im Oktober abgelaufen. Die für die Versorgung zuständige Regierung von Oberbayern stellte nach eigenen Angaben 324 Päckchen sicher. Wie viele bereits verzehrt sind, ist unbekannt. Ein Flüchtling in Neuburg habe wegen Übelkeit das Krankenhaus aufgesucht, sei aber wenig später wieder entlassen worden, so Thomas Huber, Sprecher der Regierung.

Er bestätigte am Freitag entsprechende Berichte des Bayerischen Flüchtlingsrats und der Organisation „Karawane“. Demnach waren am Donnerstag von der in Schwäbisch Gmünd ansässigen Lieferfirma insgesamt 1572 Päckchen mit Hähnchenteilen ausgeliefert worden. In München seien die Unterkünfte in der Emma-Ihrer-, Rosenheimer, Hintermeier-, Franz-Mader- und Pariser Straße sowie am Rosa-Luxemburg-Platz betroffen. Man habe alle oberbayerischen Unterkünfte auf verdorbene Lebensmittel überprüft. Flüchtlingsrat und „Karawane“ werfen der Regierung vor, bei der Kontrolle „kläglich versagt“ zu haben. Die Lieferfirma war „aus Rücksicht auf unseren Auftraggeber“ - die Regierung - zu keiner Stellungnahme bereit.

Die Versorgung der Flüchtlinge mit Essenspaketen ist seit langem umstritten. Flüchtlinge kritisieren dies als menschenunwürdig, weil sie nicht über ihr Essen entscheiden dürften, und klagen über minderwertige Qualität der Lebensmittelpakete.

Bernd Kastner

Zurück