Pegnitz-Zeitung, 30.01.2004

Verzweifelte Flüchtlinge

Pegnitz-Zeitung: Verzweiflung im Asylantenheim in Hormersdorf: Weil die 17 Flüchtlinge in der einsamen Unterkunft im Schnaittacher Oberland einfach nicht mehr weiter wissen und mit der „totalen Isolation“, wie sie es nennen, nicht mehr klarkommen, haben sie diese Woche die Annahme der Essenspakete verweigert und waren zu einer spontanen Protestaktion mit dem Bus nach Lauf gefahren, wo sie auch die Pegnitz-Zeitung aufsuchten.


Die Flüchtlinge vor der Pegnitz-Zeitung.

Zwei Familien mit Kindern aus Aserbeidschan und ein russisches Ehepaar, die um Asyl nachsuchen (wir berichteten mehrmals), fühlen sich von den Behörden nicht nur im Stich gelassen, sondern sozusagen in die Einsamkeit von Hormersdorf „strafversetzt“. Weil zuletzt auch der Verein für Flüchtlinge aus Hersbruck seine Hilfe einstellen musste, „weil wir unter den Bedingungen einfach nicht mehr arbeiten können“, wie die Sprecherin sagt.

Und weil auch die Hormersdorfer Familie Gross vor dem Hintergrund der unnachgiebigen Behörden ihre Hilfe einstellte, wie sie gegenüber der PZ deutlich machte, wissen die Asylbewerber nicht mehr ein noch aus: Sie kommen nicht zum Arzt, wenn sie krank sind, sie kommen nicht zum Einkaufen und kommen von Hormersdorf aus nicht zu den Behörden, sie haben nicht mal ein Telefon im Haus, können sich nicht verständigen oder einen Rechtsanwalt konsultieren, kritisiert auch Günter Wagner von der Laufer ai-Gruppe die restriktive Haltung der Behörden.

Hormersdorf ist einfach zu weit vom Schuss, als dass die Flüchtlinge auch nur Selbstverständlichkeiten erledigen können oder dringend benötigte Hilfe erhalten. „Wir können einfach nicht mehr“, sagt einer der Asylanten in gebrochenem Deutsch, „wir wissen nicht weiter und wollen nur noch weg von Hormersdorf ...“

Clemens Fischer

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