Mainpost, 12.02.2009
Würzburger Ansichten: Hoffnung für die Flüchtlinge
Oliver Jörg und die GU
Niemanden dürfe das wundern, meinte er, wenn Menschen aus aller Herren Länder unfreiwillig zusammengepfercht seien.
Viele ehrenamtliche Helfer von weltlichen und kirchlichen Initiativen prangern die Zustände seit langem an, ohne Gehör zu finden. (Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es ohne ihr freiwilliges Engagement um die Flüchtlinge stünde.)
Vor zwei Wochen ließ August Stich, Tropenmediziner und Vorsitzende des Missionsärztlichen Instituts, seinem Zorn freien Lauf (das Missio betreut die Flüchtlinge medizinisch):
Die GU mache krank. Er beschrieb die Nöte und Ängste der Flüchtlingskinder und klagte, der Freistaat ordne das Wohl der Menschen dem Asylverfahren unter.
Unter den Parteien attackieren nur die Grünen die GU permanent und fordern ihre Auflösung. In der vergangenen Woche besuchten SPD-Größen die Einrichtung; man darf auf ihre Schlussfolgerungen gespannt sein.
Aber nichts wird sich ändern, wenn die CSU sich nicht bewegt.
Dass der Würzburger CSU-Landtagsabgeordnete Oliver Jörg von den Zuständen so lange nichts wissen wollte, ist eine Schande; er trägt sie mit vielen Entscheidungsträgern.
Die Würzburger hatten es ihm aber auch leicht gemacht; kaum ein Bericht über die Not der Flüchtlinge brachte sie in Wallung. Dass Jörg nun ohne äußeren Druck sein Versäumnis bekennt, ehrt ihn.
Dass er seinem Gewissen gehorcht und sich gegen die hartherzige Politik seiner Partei wendet, zeichnet ihn vor vielen Politikern aus.
Er hat harte Arbeit vor sich. Denn die unwürdigen Zustände in der Gemeinschaftsunterkunft sind weder Zufall noch Versehen. Sie sind Ausdruck der bayerischen Asylpolitik. Soll kein Flüchtling glauben, er sei willkommen im christlich-sozialen Freistaat.
Man darf nicht hoffen, dass die CSU Jörg folgt. Man muss es fordern.