Flüchtlingslager Teublitz-Koppenlohe

Ohne Arbeitserlaubnis, seit 9 Jahren in Duldung, Taschengeld willkürlich gestrichen, auf der Ausländerbehörde behandelt wie der letzte Dreck

Lagerkarte
Teublitz ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf. Sie hat 7472 EinwohnerInnen.
Das Flüchtlingslager Teublitz-Koppenlohe hat eine Kapazität von 135 Personen. Teublitz ist 29 km von Regensburg entfernt, Koppenlohe ist ein kleiner Vorort, 3 km vor Teublitz. Das Lager liegt abseits der Hauptstraße, kaum sichtbar in einem Waldstück, nahe Burglengenfeld und war früher ein Wohnheim für Spätaussiedler. Menschen unterschiedlicher Nationalität und Herkunft  aus dem Irak, aus Syrien, Libanon, Afghanistan, Pakistan, dem Kongo, Sudan, aus Vietnam und Iran fristen dort ihren Alltag.

Flüchtlinge berichten: Kaum jemand von uns hat eine Arbeitserlaubnis, fast alle leben in Duldung, z.T. seit 9 Jahren. Taschengeld wird immer wieder sehr willkürlich gestrichen, das gelieferte Essen ist schlecht, wenn Flüchtlinge Taschengeld haben, geben sie die Hälfte davon für Essen aus. Die BewohnerInnen von Koppenlohe beklagen den rüden Umgangston der Ausländerbehörde Schwandorf. Sie werden dort behandelt wie der letzte Dreck. Arbeitserlaubnisse werden grundlos (und nachweislich mitunter rechtswidrig) abgelehnt. Als Begründung muss oft herhalten, dass man die Flüchtlinge endlich zur freiwilligen Ausreise bewegen will. Kontakt zur einheimischen Bevölkerung haben sie nicht und manchen von Ihnen wird schon seit Jahren ein qualifizierter Deutschkurs verwehrt. Nachts gibt es oft kein Warmwasser und zur Ausländerbehörde sind es 20 km, Hin- und Rückfahrt kosten 7,60 €, das Monatsticket nach Regensburg 39 € - bei 40 € Taschengeld. Die Bearbeitung der Verlängerung der Duldung (oftmals alle 4-8 Wochen) dauert oft 3 Wochen. Eine Familie schreibt: wir sind 2 Erwachsene und 8 Kinder. Seit Jahren leben wir in Deutschland ohne Arbeitserlaubnis, oft ohne Taschengeld und Kleidergutscheine, alleine die Tochter vom Kindergarten zu holen, ist für uns eine logistische Meisterleistung.
Das hier die bare Willkür herrscht, zeigt sich auch am Beispiel einer syrischen Familie: Eine fünfköpfige syrische Familie lebt mit einer schwerkranken Frau und ihrem Mann aus dem Irak in einer 1-Zimmer-Wohnung. Die schwerkranke Frau leidet an einer komplizierter Migräne, Bluthochdruck und einem Nierenleiden, streckenweise begleitet von suizidalen Absichten. Die behandelnden Ärzte fordern einen sofortigen Auszug aus dem Flüchtlingslager, um dauerhaft eine Stabilisierung zu erreichen. Die Regierung der Oberpfalz hat aber 3 Anträge auf Auszugserlaubnis abgelehnt. Erst nach einem Artikel auf regensburg-digital ist die syrisch-irakische Familie in eine andere 1-Zimmer-Wohnung innerhalb der Anlage umgezogen, so dass das irakische Ehepaar zwar mehr Ruhe hat, aber nach wie vor nur 1 Zimmer. 2 freie Zimmer in der Unterkunft hat der Lagerleiter einfach zugesperrt.
Siehe auch Bericht in Regensburg-digital vom 14.03.2009

Im Rahmen unserer LagerInventour2009 haben wir das Flüchtlingslager in Teublitz besucht. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier.