Coronaimpfung und Geflüchtete

In Kürze werden die ersten Impfzentren in Bayern ihre Arbeit aufnehmen. Dabei stehen Menschen, die in Asylunterkünften leben, in der Priorisierungsliste auf Stufe 2. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) befürchtet:

dass die Belange von Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse bei der Planung der Impfkampagne gegen Covid-19 möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt werden, und dass die Verantwortlichen (…) sich u.a. aus Kostengründen auf dolmetschende Familienangehörige verlassen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass minderjährige Kinder, die ja häufig für ihre Eltern oder ältere Verwandte beim Arzt oder im Krankenhaus dolmetschen, mit dieser z.T. sehr belastenden Situation in vieler Hinsicht überfordert sind. Daher setzen wir uns seit Jahren beim Bundesgesundheitsministerium dafür ein, dass Dolmetschen im Gesundheitswesen von den Krankenkassen übernommen wird, leider bisher ohne Erfolg.

Der BDÜ hat mit diesem Hintergrund ein „Positionspapier zu Coronaimpfungen: mehrsprachige Kommunikation essenziell“ herausgegeben, in dem gefordert wird, mehrsprachige Information und Aufklärung von Anfang an in die Impfkampagne einzubinden, da dies auch zu einer höheren Impfbereitschaft führe. Der Bayerische Flüchtlingsrat unterstützt diese Forderung, ist es doch immer wieder auffällig, dass gerade in Geflüchtetenunterkünften die Informationslage schlecht ist.

Weiterhin erklärt der BDÜ:

Indem die mehrsprachige schriftliche (Informationsmaterialien und Anamnesebögen) sowie mündliche (Aufklärungsgespräche) Kommunikation von Anfang an in der Planung und Ausgestaltung der Impfzentren mitgedacht wird, lässt sich die Akzeptanz der Impfkampagne deutlich erhöhen, insbesondere sowohl bei Menschen mit Hörbeeinträchtigungen als auch in den Bevölkerungsgruppen, in denen viele Mitglieder kein oder nur wenig Deutsch sprechen bzw. denen die medizinische Fachsprache wenig geläufig ist. In diesem Zusammenhang ist es nach unserer Ansicht außerdem wichtig, auch an deutschsprachige Mitbürger mit eingeschränkter Lesekompetenz zu denken und die Informationsmaterialien und Anamnesebögen in leichter Sprache bereitzuhalten. https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a752-leichte-sprache-ratgeber.html

In der Nationalen Impfstrategie wird festgestellt, dass für „den Erfolg der Impfstrategie […] eine transparente, proaktive und zielgruppenspezifische Kommunikationskampagne von besonderer Wichtigkeit“ ist.

Mit qualifizierten Übersetzern und Dolmetschern für Laut- und Gebärdensprachen und für Leichte Sprache lässt sich dieses Ziel erfolgreich umsetzen. In seiner Fachliste Medizin bietet der BDÜ sowohl Informationen darüber an, worauf es bei der Sprachmittlung im Gesundheitswesen insbesondere ankommt, als auch die Kontaktdaten derjenigen, die qualifiziert diese Dienstleistungen erbringen können. https://bdue.de/fileadmin/files/PDF/Publikationen/BDUe_Fachliste_Medizin.pdf