junge Welt, 27.07.2006

Gegen Leben in Baracken und Containern

»Lagerlandtour« zeigt menschenunwürdige Bedingungen in Flüchtlingslagern auf

»Wir fordern die Abschaffung aller Flüchtlingslager, ein Ende der Isolation und ein uneingeschränktes Bleiberecht. Wir wenden uns gegen Arbeitsverbote, Essenspakete, gegen die Residenzpflicht und gegen jede Form von Kriminalisierung und Ausgrenzung von Flüchtlingen«, heißt es im Aufruf zur »International Human Rights Tour«, die vom 29. Juli bis 5. August von Nürnberg über Neuburg an der Donau und Landshut nach München ziehen wird. Veranstalter der Tour mit Kundgebungen vor Abschiebelagern, Flüchtlingsunterkünften und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sind der Bayerische Flüchtlingsrat, die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen sowie verschiedene antirassistische Gruppierungen, die sich seit 2002 gegen Abschiebelager, Essenspakete und Lagerzwang für Flüchtlinge eingesetzt haben. Unter dem Motto »Deutschland – Lagerland« sollen die Öffentlichkeit auf menschenunwürdige Lebensbedingungen für Flüchtlinge aufmerksam gemacht und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung mit der von ihnen zu verantwortenden Realität konfrontiert werden. So werden Flüchtlinge gezwungen, in heruntergekommenen Baracken oder Containerlagern zu leben, die von hohen Zäunen umgeben oft außerhalb der Wohngebiete angesiedelt sind. Dazu kommen Arbeitsverbote und die Entmündigung durch Essenspakete statt Bargeld.

Eine Reihe von Flüchtlingen will die Lagerland-Tour unterstützen, obwohl sie dabei vorsätzlich gegen die Residenzpflicht verstoßen, die ihnen das Verlassen ihres Landkreises verbietet. »Es geht uns um Bewegungsfreiheit im Großen wie im Kleinen«, erklärte eine Sprecherin der Tour. So wollen in Neuburg an der Donau, wo sich mit 400 Flüchtlingen eines der größten bayerischen Lager befindet, Flüchtlinge demonstrativ die Landkreisgrenze überschreiten.

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