Bayerischer Flüchtlingsrat, 13.05.2019

Nach Tod im ANKER-Zentrum: Bayerischer Flüchtlingsrat fordert Aufklärung statt Eskalation

Nach dem Todesfall einer 31-jährigen im ANKER-Zentrum bleiben viele Fragen offen

Der Tod einer 31-jährigen Nigerianerin in einer Dependance des ANKER-Zentrums Regensburg am vergangenen Samstagmorgen wirft zahlreiche Fragen auf. Nachdem die Mutter dreier Kinder im Alter von drei bis neun Jahren leblos aufgefunden worden war, kam es während des Versuchs die Leiche abzutransportieren laut einigen Medienberichten zu Tumulten durch Bewohner*innen der Einrichtung. In der Folge war hier mehrfach die Rede von der „Identifizierung der Rädelsführer“. Kein Wort aber fiel bezüglich der Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes – angerückt waren mindestens 20 Streifenwagenbesatzungen.


Im ANKER-Zentrum Regensburg sind Polizeieinsätze zur Durchsetzung von Dublinabschiebungen an der Tagesordnung. Kein Wunder also, dass ihr Erscheinen Angst und Verunsicherung bei den Bewohner*innen auslöst. Dazu kommt die hoch emotionale Situation durch den Todesfall. Für den Bayerischen Flüchtlingsrat stellt sich die Frage, wie es überhaupt zu solch einer Eskalation kommen konnte, und warum die Polizei so lange gebraucht hat, um die Situation in den Griff zu bekommen.  

„Die Polizei trägt in sensiblen Situationen nicht zur Deeskalation bei – im Gegenteil: durch unverhältnismäßige Großeinsätze und fehlende Sensibilität kommt es erst dazu, dass diese immer wieder aus dem Ruder laufen“, kritisiert Franziska Sauer vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Statt die so bezeichneten „Rädelsführer“ zu verfolgen, sollte jetzt die restlose Aufklärung des Todes der Frau im Vordergrund stehen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit kommuniziert werden. Bei Unklarheiten fordern wir auf jeden Fall eine Obduktion. Zudem sollten Polizeikräfte in solchen Situationen etwa durch Gespräche mit den Geflüchteten zur Deeskalation beitragen, statt sofort die großen Geschütze aufzufahren.“

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