Das Projekt We talk! Gewaltschutz für geflüchtete Kinder und Mütter, das von der Aktion Mensch gefördert wird, dient dem Schutz von Frauen und Kindern in Unterkünften für Geflüchtete in ganz Bayern. Dafür sollen zehn Tandems, bestehend aus Frauen mit und ohne Fluchterfahrung aus verschiedenen Regionen Bayerns, ausgebildet und qualifiziert werden.

Ziel ist es, eine bessere Unterstützungsstruktur vor allem im ländlichen Raum Bayerns aufzubauen, durch die Frauen und Kinder in Flüchtlingsunterkünften Hilfe und Rat bekommen. Die Tandems sollen in den Unterkünften Ansprechpartnerinnen für die Zielgruppe und beteiligte Akteur*innen (Hilfesystem, Unterkunftsbetreiber, Ehrenamtliche) sein. Sie sollen den Zugang zu Hilfesystemen aufzeigen und erleichtern, indem sie potentiell Betroffene an Expert:innen und Beratungsstellen weitervermitteln und sich vernetzen. Im Rahmen des Projektes sollen darüber hinaus lokale und bayernweite Netzwerke von Fachstellen und Ehrenamtlichen ausgebaut werden. Durch die Zusammensetzung der Tandems soll der Zugang von Geflüchteten zu ehrenamtlichem Engagement verstärkt werden.

Zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit werden Vorträge angeboten und Fachtage an der Schnittstelle von Asyl und Gewaltschutz organisiert. Zudem wird eine wöchentliche Telefonsprechstunde für geflüchtete Frauen, Ehrenamtliche und Unterstützer:innen angeboten.

Das Projekt We talk! – Gewaltschutz für geflüchtete Kinder und Mütter wird gefördert von:

Unterbringung in Mehrbettzimmern, mangelnde Privatsphäre, gemeinsame Nutzung der Sanitäranlagen, angespannte Atmosphäre, permanente Kontrolle durch Sicherheitsdienst, Polizeieinsätze und Abschiebungen: Der Alltag in Geflüchtetenunterkünften ist nicht selten geprägt von physischer, psychischer und struktureller Gewalt, von Machtmissbrauch und Unterdrückung, von Ausgrenzung und Demütigung.

Besonders gefährdet sind geflüchtete Kinder und Frauen. Sie sind durch traumatische Fluchterfahrungen, Asylverfahren und Isolation mehrfach belastet. Die Lebensbedingungen machen es fast unmöglich, Kindern Sicherheit und Stabilität zu geben. Staatliche Gewaltschutzkonzepte werden nur unzureichend umgesetzt. Kinder und Frauen sind damit besonders schutzbedürftig.

Gleichzeitig bringen die Frauen viele Potenziale mit, die sie oftmals nicht entfalten können. Hier setzt das Projekt „We talk!“ mit seiner Qualifizierungsreihe für Multiplikatorinnen an. Wir verfolgen in dem Projekt einen ressourcenorientierten und partizipatorischen Ansatz.

Mit dem von der AKTION MENSCH für drei Jahre geförderten Projekt „We talk! Gewaltschutz für geflüchtete Kinder und Mütter“ knüpfen wir an den Potenzialen und Ressourcen von geflüchteten Frauen an und setzen uns für einen besseren Gewaltschutz in den Geflüchtetenunterkünften ein.

Wegweisend für uns ist dabei die vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention auch für Frauen mit Fluchtgeschichte. Das gleiche gilt für die UN-Kinderrechtskonvention für geflüchtete Kinder. Eine Unterbringung in Massenunterkünften lehnen wir ab.

Die Qualifizierungsreihe besteht aus einem Willkommenstreffen, fünf Wochenendworkshops und zwei Nachbereitungstreffen. Die Workshops finden im Salesianum in München jeweils Freitag- bis Samstagabend (bzw. Sonntagabend) von Mai bis Dezember 2022 statt, Ort und Termin der anderen Treffen werden noch bekanntgegeben.

Willkommenstreffen

Das Willkommenstreffen dient dazu, sich gegenseitig kennenzulernen, sowie die Themen und verschiedenen Methoden, die in den Workshops vertieft werden. Wir verfolgen ausdrücklich einen partizipatorischen Ansatz: Es ist uns wichtig, dass die Erfahrungen, Vorstellungen und Ideen der Teilnehmerinnen in die weitere Planung einfließen können. Gemeinsam überlegen wir, welche ehrenamtlichen Angebote geflüchtete Kinder und Mütter in Unterkünften im Alltag und zu ihrem Schutz unterstützen können.

Das Treffen findet am 30.04.2022 von 11 bis 17 Uhr statt. Der Ort wird noch bekanntgegeben.

Die Workshops

Die Frauen nehmen als Tandem an der Qualifizierung (fünf aufeinander aufbauende Workshops und zwei Nachbereitungstreffen) teil. Ein Tandem ist ein Zweier-Team, bestehend aus einer Frau mit Fluchthintergrund und einer Frau ohne Fluchthintergrund.

Gemeinsam im Team lernen die Tandems bei den Workshops mehr über diese Themen (u.a.):

  • Formen, Anzeichen und Folgen von Bedrohung und Gewalt
  • Rechte von Frauen und Kindern
  • Frauen und Kinder im Asyl- und Aufnahmeverfahren
  • Kennenlernen von Hilfsangebote bei Trauma, Gewalt und Erziehungsfragen
  • Eigene Grenzen erkennen und Selbstschutzstrategien entwickeln
  • Selbstorganisation und Projektentwicklung

Die Teilnehmerinnen bringen ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen in die Workshops ein und gestalten diese mit. Langfristig gestalten sie im Tandem Angebote für geflüchtete Kinder und Mütter und werden so zu ehrenamtlichen Ansprechpartnerinnen vor Ort.

Mit ihren Aktivitäten stärken sie andere Frauen und ihre Kinder und vernetzen sich miteinander. Sie unterstützen Frauen und Kinder, die von Gewalt bedroht sind oder Gewalt erlebt haben und vermitteln sie an Fach- und Beratungsstellen. In den Workshops haben sie gelernt Bedrohungen und Gewalt zu erkennen, an welche Expert:innen und Beratungsstellen sie ratsuchende Frauen und Kinder vermitteln können und wie sie sich besser mit dem bestehenden Hilfesystem vernetzen können.

Vor allem im ländlichen Raum, außerhalb von Großstädten, sind Angebote und Anlaufstellen für betroffene Frauen oft nicht in unmittelbarer Nähe erreichbar. Doch gerade die Unterstützung des sozialen Umfeldes und der Zugang zur professionellen Hilfestruktur ist wichtig, damit Betroffene ihre Ängste oder erlebten Übergriffe mitteilen.

Ziel des Projekts ist deshalb, ein niederschwelliges Angebot in und um Unterkünften aufzubauen und die Unterstützungsstruktur im ländlichen Raum Bayerns zu verbessern. Dadurch sollen geflüchtete Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind schnell an professionelle Unterstützungsstrukturen angebunden werden und in ihrer Erziehungsfähigkeit unterstützt werden.

Am Ende der Qualifizierungsreihe inklusive Nachbereitungstreffen wird ein Teilnahmezertifikat ausgestellt. Über die Qualifizierungsreihe hinaus bieten wir weiterhin Betreuung und Beratung für die entstandenen Projekte an, die ehrenamtlich und selbstständig weitergeführt werden. Die Anmeldung für die nächste Qualifizierungsreihe ist bis zum 31. Januar 2022 telefonisch oder über das Anmeldeformular möglich.

In Kooperation mit:

Gewalt hat viele Gesichter: Sie reicht von Beleidigung und Diskriminierung über Belästigung und Bedrohung bis hin zu psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt –  von Partner:innen, von Mitbewohner:innen oder von Sicherheitsdiensten. Kinder sind oft Zeug:innen, aber auch selbst betroffen von psychischer und physischer Gewalt, von Drohungen, Abschiebungen und Polizeieinsätzen. Gerade in Massenunterkünften, in denen es an Rückzugsmöglichkeiten fehlt, sind sie besonders gefährdet. Sie zeigen Symptome von Unruhe und Angst, haben Schlafstörungen oder ziehen sich zurück.

Wir beraten betroffene Frauen oder Bezugspersonen vertraulich und anonym zu folgenden Punkten

  • Sensibilisierung für Gewalt gegen Kinder und Frauen in Geflüchtetenunterkünften
  • Vermittlung an Fachberatungsstellen und Notunterkünfte
  • Fragen an der Schnittstelle von Gewaltschutz, Flucht und Asyl
  • Unterstützung bei rechtlichen Fragen zu Asylverfahren, Bleibeperspektive und Gewaltschutz

So erreichen Sie uns:

Ansprechpartnerinnen:

Nadine Kriebel, Simone Eiler, Anja Edelhäuser

Neben dem Aufbau von niedrigschwelligen Angeboten für Frauen und Kinder in den Geflüchtetenunterkünften wollen wir uns mit Ehrenamtlichen, Gewaltschutzbeauftragten und Beratungsstellen vernetzen und über die Situation von geflüchteten Kindern und Frauen in Unterkünften informieren. Wir wollen Fachberatungsstellen und die Öffentlichkeit für die besondere Situation von Frauen und Kindern an der Schnittstelle von Asyl, Flucht und Gewalt sensibilisieren. Dazu bieten wir interdisziplinäre Veranstaltungen, Fachtage und (Online)Vorträge an.

Der erste Fachtag zum Thema „Ausgegrenzt: Lebensbedingungen geflüchteter Kinder in Deutschland“ findet am 11.03.2022 von 9.00 bis 14.30 Uhr statt. Informationen zu Inhalt und Anmeldung finden Sie hier.

Die Workshops finden im Salesianum in München von Mai bis Dezember 2022 statt.

Termine 2022

WillkommenstreffenSa, 30.04.2022, 10.00 – 17.00 Uhr
Workshop IFr./Sa./So. 20. – 22.05.2022
Workshop IIFr./Sa. 08. & 09.07.2022
Workshop IIIFr./Sa. 16. & 17.09.2022
Workshop IVFr./Sa. 05. & 06.11.2022
Workshop VFr./Sa./So. 09. – 11.12.2022
Nachbereitungstreffen ITermin und Ort noch unbekannt
Nachbereitungstreffen IITermin und Ort noch unbekannt

Die Teilnehmerinnen verpflichten sich, an dem Willkommenstreffen, den fünf Workshops und den beiden Nachbereitungstreffen teilzunehmen. Die Teilnahme an den Workshops, Übernachtung, Verpflegung und Anreise sind kostenlos. Für eine Kinderbetreuung ist gesorgt. Voraussetzung für die Teilnahme an der Qualifizierungsreihe sind Deutschkenntnisse in Anlehnung an Niveau B1. Eine Anmeldung ist nur zu zweit, als Tandem, möglich.

Anmeldung bis 31. Januar 2022 telefonisch oder über das Anmeldeformular:

Tel. 089-26025299 (Mittwoch, 10 bis 12 Uhr)

E-Mail: frauen@fluechtlingsrat-bayern.de

Ansprechpartnerinnen:

Simone Eiler, Nadine Kriebel, Anja Edelhäuser