ANKER-Zentren und andere Massenunterkünfte sind KEINE Orte für Kinder!

Protest- und Mitmachaktion des Bayerischen und des Münchner Flüchtlingsrates am 20. September 2021 um 14 Uhr am Max-Joseph-Platz

Anlässlich des Weltkindertags am 20. September 2021 haben Terre des Hommes, PRO ASYL und die Landesflüchtlingsräte die bundesweite Kampagne Kein Ort für Kinder ins Leben gerufen. „Aufnahmeeinrichtungen und ANKER-Zentren sind kein Ort für Kinder und kein Ort für Erwachsene“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf, in dem die rund 100 Unterzeichnenden zudem fordern: „Statt Isolation und Entrechtung brauchen wir faire Asylverfahren und gleiche Rechte für alle Kinder, die in Deutschland leben.“

Im Zuge dessen machen der Bayerische Flüchtlingsrat und der Münchner Flüchtlingsrat am 20. September 2021 von 14 Uhr bis 16 Uhr auf dem Max-Joseph-Platz in München in einer Mitmach-Aktion auf die Situation von geflüchteten Kindern aufmerksam. Im Rahmen der Aktion laden wir Kinder vor Ort dazu ein, ihre Wünsche für geflüchtete Kinder aufzuschreiben oder zu malen. Anschließend werden wir diese Wünsche sowie unser aktuelles Positionspapier über die Situation von geflüchteten Kindern dem bayerischen Innenministerium persönlich überreichen. Wir wollen damit die bayerische Staatsregierung auffordern, ihrer Verantwortung und Zuständigkeit für schutzbedürftige Menschen endlich nachzukommen.

Die seit 1992 in Deutschland in Kraft getretene UN-Kinderrechtskonvention bestimmt wichtige und bedingungslose Standards zum Schutz und zum Wohl von Kindern. Diese dort verankerten Grundrechte gelten für ALLE Kinder, eine Tatsache, die leider nicht selbstverständlich ist und daher immer wieder betont werden muss. Geflüchtete Kinder sind ohnehin durch Kriegserlebnisse und Gewalterfahrungen sowie den Verlust von Heimat und Bezugspersonen besonders gefährdet und bedürfen eines expliziten Schutzes.

„Das Wohl der Kinder muss im Vordergrund stehen“, sagt Jana Weidhaase vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Es kann nicht sein, dass asylpolitische Interessen den Schutz der Kinder überwiegen. Die ausgrenzende und diskriminierende Praxis der Unterbringung von Kindern in ANKER-Zentren und anderen Massenunterkünften führt zu Retraumatisierungen und verwehrt den Kindern ihre Rechte auf einen angemessenen Lebensstandard in einer sicheren und gesunden Umgebung, auf Partizipationsmöglichkeiten und auf den Zugang zu Bildung. Diese Unterkünfte sind deshalb kein Ort für Kinder.“

Unsere Forderungen an die bayerische Staatsregierung sind deshalb:

  • Umsetzung der Vorrangigkeit des Kindeswohls im Asyl- und Aufenthaltsgesetz
  • Sofortige Abschaffung des diskriminierenden Asylbewerberleistungsgesetztes
  • Kindergerechte Aufnahme- und Unterbringungssysteme mit flächendeckenden und einrichtungsspezifischen Gewaltschutzkonzepten
  • Zeitlich limitierte Unterbringung in Sammelunterkünften auf maximal vier Wochen und möglichst schnelle Überleitung in Privatsphäre schützende Wohneinheiten
  • Recht auf Bildung in einer staatlich anerkannten Schule
  • Öffnen der Kinder- und Jugendhilfe und der Erziehungsberatung für die besonderen Bedarfe für geflüchtete Kinder und ihre Eltern
  • Informations- und Rechtsanspruch für Eltern und ihre Kinder

Link zur bundesweiten Aktion: https://keinortfuerkinder.de/aktionstag/